Monet_View_of_Bordighera

Monet Bordighera – Die Hintergrundgeschichte einer Liebesbeziehung

Italien hatte einen großen filmischen Moment, als es als Drehort für den Film Call Me by Your Name ausgewählt wurde. Wenn ihr den gleichnamigen Roman von André Aciman gelesen habt, wisst ihr, dass die ersten intimen Momente der Figuren Elio und Oliver auf den Hügeln von Bordighera geschehen. Aber Elio und Oliver waren nicht die ersten, die die geheimen Orte von Bordighera erkundeten. Monet war vor Jahrzehnten dort und war wirklich herausgefordert, alles einzufangen, was er sah.

Für Fans, die mit dem Film / Buch vertraut sind, müssen diese paar Sätze bekannt vorkommen:

igy futottam anyatokkal

„Diese Stelle gehört ganz allein mir, hierher komme ich zum Lesen. Ich könnte nicht sagen, wie viele Bücher ich hier gelesen habe.”

Elio nimmt Oliver mit zu seinem geheimen Ort und erzählt ihm, dass Monet hierher kam, um zu malen.

„Wir bogen von der Hauptstraße ab und fuhren auf die Steilküste zu.

„Das hier”, verkündete ich als Einleitung und um sein Interesse wachzuhalten, „ist der Platz, an den Monet zum Malen kam.”

Winzige verkrüppelte Palmen und knorrige Ölbäume bildeten ein kleines Waldstück. Durch die Bäume sah man einen Hang, der zum äußersten Klippenrand abfiel und zum Teil im Schatten hoher Pinien lag. Ich lehnte mein Rad an einen Baumstamm, er tat es mir nach, und ich zeigte ihm den Weg hinauf zu Monets Malplatz.

„Jetzt schau dich um”, sagte ich zufrieden, als sagte dieser Anblick mehr als alles, was ich womöglich zu meinen Gunsten hätte vorbringen können.

Unmittelbar unter uns lag eine stille, unbewegte Bucht. Nirgends eine Spur von Zivilisation – kein Haus, kein Steg, kein Fischerboot. Weiter draußen erkannte man den Campanile von San Giacomo – „zum Sterben schön” – und wenn man ganz genau hinsah, die Silhouette von N.

(André Aciman: Call Me By Your Name/Ruf mich bei deinem Namen)

 

Obwohl der Regisseur der preisgekrönten Verfilmung des Buches im Jahr 2017 die Geschichte in die Lombardei verlegte, behielt er die üppige Atmosphäre von Bordighera in Monets Gemälden bei.

Aciman schrieb ausführlich über die Bordighera und besuchte sie oft. In einem Interview mit GC sagt er:

„Es ist einer dieser Orte, zu denen man sich hingezogen fühlt und die man immer wieder aufsucht. Es gibt Orte, die einen irgendwie anlocken, die einen betören. Und man hat keine Ahnung, warum, aber irgendwann folgt man dem Ruf und steigt ohne Vorbehalt aus dem Zug. Und man sucht nach etwas, von dem man glaubt, dass es da ist, aber man weiß nicht, was es ist. Irgendwann findet man es vielleicht, aber man ist sich nie sicher, dass man es gefunden hat. Ich muss 14 gewesen sein, als ich das erste Mal an Bordighera vorbeikam. Aber so richtig hingegangen bin ich erst, als ich schon viel älter war: Mitte 30.” 

Monet_Bordighera
Claude Monet, Bordighera 1884, Privatsammlung

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Monet entdeckte Bordighera erstmals 1883, im Alter von 43 Jahren, als er mit seinem Freund und Malerkollegen Auguste Renoir eine Reise ans Mittelmeer unternahm. Auf dem Weg nach Italien besuchten sie Paul Cézanne in einem kleinen Fischerhafen in der Nähe von Marseille, wo er lebte.

Im Jahr 1884 kehrte Monet für einen dreiwöchigen Aufenthalt nach Bordighera zurück, den er ganz der Malerei widmete. Dieser kurze Aufenthalt dauerte schließlich drei Monate, in denen er eine Serie von drei Stadtansichten malte. Er kam Mitte Januar an und fand, der blaue Himmel sei ein toller Kontrast zum grauen Wetter der französischen Wintertage.

Monet war von der Natur rund um Bordighera fasziniert, denn dort gab es viele Bäume wie Palmen, die er normalerweise in Paris nicht sah.

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Claude Monet, Villas at Bordighera, oil on canvas, 1884, Musée d’Orsay, Paris[/caption

Viele andere Maler haben sich in diese Stadt begeben und die Aussicht gemalt, aber Monet beschloss, davon abzuweichen und nur die Vegetation um ihn herum zu malen und nur gelegentlich einige Landschaften und Häuser einzubeziehen, aber immer nur nebenbei. Es brachte ihn dazu, Farben wie nie zuvor zu verwenden,  was ihn fast in den Wahnsinn trieb, weil er befürchtete, nicht in der Lage zu sein, die Essenz des Ortes einzufangen und auszudrücken, wie schön alles war.

Zu diesem Thema schrieb er seiner Frau Alice Hoschede viel:

„Es ist extrem schwierig und sehr zeitaufwendig, vor allem weil die großen in sich geschlossenen Motive selten sind.  Es ist überall dichtes Laub, und man findet nur Motive mit vielen Details, die furchtbar zu malen sind, und ich dagegen bin der Mann der vereinzelten Bäume und großen Räume.”

 

Infolgedessen war er nicht in der Lage, die in Bordighera begonnenen Arbeiten zu vollenden, obwohl er sie alle nach seiner Rückkehr fertig stellte. In diesen drei Monaten besuchte er auch Dolceaqua, von wo er mit mehr als vierzig Gemälden zurückkehrte, von denen die meisten noch den letzten Schliff benötigten.

Wusstet ihr, dass sich eines der Monet-Gemälde aus Call Me by Your Name im Hammer Museum in Los Angeles befindet?  Ja, im Familienmuseum von Armie Hammer (er spielt in dem Film Oliver), das  seinem Urgroßvater gehört. Armie ist hier einer der ehrenamtlichen Direktoren.

Monet_View of Bordighera
Claude Monet, View of Bordighera, oil on canvas, 1884, Hammer Museum, Los Angeles[/caption

Ich weiß nicht, wie es euch dabei geht, aber für mich ist das der erstaunlichste Zufall überhaupt.

Quellen:

https://www.gc.cuny.edu/Page-Elements/News/2017/November/%E2%80%98Call-Me-by-Your-Name%E2%80%99-Author-Opens-Up-About-the-Film-Adaptation

https://www.dailyartmagazine.com/monets-bordighera/

Titelbild:

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Monet_View_of_Bordighiera_31db607334.jpg

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